Berlin-Film-Katalog
(in Vorbereitung)

Rarität des Monats August 2026

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeden Monat eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Am 3. August 2026 (Montag) um 17.30 Uhr läuft (mit einer Einführung):



Wunschkonzert

D 1940 – 101 Min. (2756 m) – 35 mm (1:1,37) – Schwarzweiß

Regie: Eduard von Borsody. Buch: Felix Lützkendorf, Eduard von Borso­dy. Kamera: Franz Weihmayr, Günther Anders, Carl Drews. Musik: Werner Bochmann. Bauten: Alfred Bütow, Heinrich Beisenherz. Kostüme: Gertrud Steckler. Schnitt: Elisabeth Neumann. Ton: Walter Rühland. Produktionsassistenz: Erich Roehl. Aufnahmeleitung: Fritz Andreas Brodersen, Willi Rother, Günther Andreae.

Darsteller: Ilse Werner (Inge Wagner), Carl Raddatz (Fliegeroffizier Herbert Koch), Joachim Brennecke (Luftwaffenleutnant Helmut Winkler), Ida Wüst (Frau Eichhorn), Hedwig Bleibtreu (Frau Wagner), Hans Hermann Schaufuß (Bäckermeister Hammer), Hans Adalbert Schlettow (Fleischermeister Kramer), Malte Jäger (Lehrer Friedrich), Walter Ladengast (Musikstudent Schwarzkopf), Albert Florath (Arzt bei Lehrer Friedrich), Elise Aulinger (Frau Schwarzkopf), Wilhelm Althaus (Hauptmann Freiberg), Walter Bechmann (Kellner), Günther Lüders (Monteur Zimmermann), Erwin Biegel (Monteur Justav), Ellen Hille (Frau Kramer), Vera Hartegg (Frau Friedrich), Vera Comployer (Frau Hammer), Aribert Mog (Leutnant von Zülkow), Rolf Heydel (Fliegerordonnanz), Wilhelm H. König (Feldwebel Weber), Ewald Wenck (Kontrolleur), Willi Rose (Monteur), Oskar Ballhaus (Bordmonteur Peters), Gustav Püttjer (Matrose), Fritz Angermann, Max Wilmsen, Hans Sternberg, Franz List, Reinhold Bernt, Erik Radolf, Rudolf Vones, Fred Goebel, Erich Stelmecke, Wolf Dietrich, Oscar Sabo, Werner Schott, Berta Drews, Weiß-Ferdl, Wilhelm Strienz.

Als sie selbst: Heinz Goedecke, Marika Rökk, Heinz Rühmann, Paul Hörbiger, Hans Brausewetter, Josef Sieber, Willy Fritsch, Eugen Jochum, Albert Bräu.

Produktion: Cine-Allianz Tonfilm Produktion im Auftrag von Universum Film-AG (Ufa) (Herstellungsgruppe Felix Pfitzner). Produktionsleitung: Felix Pfitzner.

Erstverleih: Ufa.

Uraufführung: 30. Dezember 1940, Berlin, Ufa-Palast am Zoo.


Vor neunzig Jahren, vom 1. bis 16. August 1936, fanden in Berlin die Olympischen Sommerspiele statt – bis heute eines der eindrucksvollsten und erschreckendsten Beispiele für die Funktionalisierung des Leistungssports zu politischen Zwecken.

An den damaligen Propagandaerfolg des Regimes sollte im nationalsozialistischen Deutschland auch noch vier Jahre später erinnert werden, als längst auch für die Naivsten und die entschlossensten Wirklichkeitsverweigerer unübersehbar geworden war, daß es sich bei der während des Spektakels vor­gespielten Friedfertigkeit des „Dritten Reichs“ um einen Schwindel gehandelt hatte: Der 1940 entstandene Spiel­film „Wunschkonzert“ beginnt 1936 am Berliner Olympiastadion, wo sich eine junge Frau auf Berlin-Besuch (Ilse Werner) und ein schneidiger Luftwaffenoffizier (Carl Raddatz) begegnen und schnell näherkommen. Doch dann wird er zu einem gehei­men Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg abkommandiert, und die beiden verlieren sich aus den Augen. Durch das vom „Großdeutschen Rundfunk“ ausgestrahlte „Wunschkonzert für die Wehrmacht“ finden sie wieder zueinander, aber leider muß er schon wieder am Überfall auf ein anderes Land teilnehmen. Und dann gibt es noch einen Jugendfreund der jungen Frau, der um diese wirbt und, wie das Dreh­buch so spielt, der Kompanie des Fliegeroffiziers zugeteilt ist.

In „Wunschkonzert“ wird die titelgebende Rundfunksendung (die dem Vernehmen nach sehr populär war) ebenso wie die Olympischen Spiele von 1936 als großes Kollektiverlebnis vorgeführt, welches zur Realisierung der NS-Phantasie von der „Volksgemeinschaft“ beiträgt, hier quasi in noch verschärfter Form durch die propagierte Verbindung zwischen Front und Heimat. Dabei wird die „Härte der Zeit“ nicht verschwiegen, doch gezeigt, wie mit Optimismus, Tatkraft und „herzhaftem“ Humor die Probleme gemeistert werden. Frauen ersetzen ihren Mann in dessen Beruf, und auch mitten im Kriegsgetümmel demonstriert der „Herrenmensch“ immer noch seinen Sinn für Kultur, insbesondere für klassische Musik.

Derweil die von dem Film verbreitete Propaganda heute stellenweise recht plump und penetrant wirkt, traf der Ende 1940 uraufgeführte Streifen seinerzeit offenkundig einen Nerv: Er avancierte im „Groß­deut­schen Reich“ zu einer der kommerziell erfolg­reichsten Produktionen nicht nur der Saison 1940/41.

Ilse Werner, die bei den Dreharbeiten knapp neunzehn Jahre alt war, brachte vor allem dieser Film nach dem Krieg ein mehrjähriges Berufsverbot und letztlich einen nachhaltigen Karriereknick ein, derweil ihr Filmpartner Carl Raddatz – der im Gegensatz zu ihr noch in einigen anderen Propagandafilmen mitgewirkt hatte – seine Lauf­bahn ebenso bruchlos wie erfolgreich fortsetzen konnte.

Nach Kriegsende zunächst selbstverständlich verboten, wurde „Wunschkonzert“ später in einer „ent­schärften“ Fassung wieder freigegeben. Inzwischen in der Film
in seiner ursprüng­lichen Form verfügbar und darf ohne jede Beschränkung Erwachsenen vorgeführt werden. Wir zeigen ihn selbstverständlich mit einer Einführung.


Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Mehr zu diesem Film hier und hier.


Aus dem Gesamtgeschehen des Films spricht (…) der Gleichklang der Herzen,
die Verbundenheit der Front und Heimat, die echte Volksgemeinschaft, die sich
im Kriege so unverbrüchlich bewährt.

Günther Schwark, Film-Kurier vom 2. Januar 1941




 

Quellen der filmographischen Angaben:  https://www.filmportal.de/film/wunschkonzert_03bd67aa24c8494ca1a96267bedc5643 (zuletzt besucht am 22.7.2026).

Photos: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung.