„Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals“
Seit Juni 2012 präsentierte Berlin-Film-Katalog allmonatlich im Weißenseer Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität, im September 2023 zum 120. Mal. Höchste Zeit, auch einmal andernorts zu zeigen, welch reiches Angebot unterschiedlichster Spiel- und Dokumentarfilme aus Ost und West, dem noch nicht geteilten und dem wiedervereinten Deutschland in dieser Reihe bisher schon zu sehen war.
Seit Oktober 2023 wird daher einmal im Monat eine Berlin-Film-Rarität, die vor längerer Zeit im Brotfabrikkino zu sehen war, noch einmal im Anfang Juli 2023 – nach umfassender Renovierung und Modernisierung – wiedereröffneten Cosima-Filmtheater in Friedenau/Wilmersdorf gezeigt. Fester Termin dafür ist der dritte Montag eines jeden Monats, 17.30 Uhr. Es gibt nur eine Aufführung, und diese jeweils mit einer Einführung.
Das Cosima-Filmtheater befindet sich in der Sieglindestraße 10, direkt am Varziner Platz und direkt am S- und U-Bahnhof Bundesplatz, in 12159 Berlin. Eintritt: 8-12 Euro.
Am Montag, 18. Mai 2026 um 17.30 Uhr läuft im Cosima-Filmtheater (mit einer Einführung):
Der Mann im Pyjama
BRD 1981 – 81 Min. (2228 m) – 35 mm (1:1,66) – Farbe
Regie, Buch: Christian Rateuke, Hartmann Schmige. Kamera: Heinz Hölscher. Musik: Dieter Wilhelm Siebert. Ausstattung: Werner Achmann, Harry Freude. Kostümberatung: Susan Wendlandt. Schnitt: Sybille Windt. Regieassistenz: Gunter Krää. Kameraassistenz: Valentin Kurz. Produktionsassistenz: Carla T.-Thoeren. Aufnahmeleitung: Jürgen Kussatz, Martin Rauhhaus. Maske: Ingrid Thier, Viktor Leitenbauer. Ton: Peter Dick, Rolf Silber. Schnittassistenz: Jeannette Menzel, Evelyn Schmidt. Spezialeffekte: Willi Neuner, Hans Gärtner. Filmgeschäftsführung: Marita Teelen. Requisite: Harry Freude, Barbara Freude-Schnaase. Garderobe: Ille Sievers. Script: Angela Wecker. 2. Kamera: Peter Arnold. Produktionspresse: Karsten Peters. Standphotograph: Ulrich Clauß. Redaktion: Martin Büttner.
Darsteller: Otto Sander (Rudi), Elke Sommer (Frau Lachmann), Peter Fitz (Herr Lachmann), Hermann Lause (Bruno), Erich Schwarz (Hans-Christian), Friedrich Georg Beckhaus (Revierpolizist), Karl Heinz Vosgerau (Herr Becker), Jochen Schroeder (Taxifahrer), Kurt Zips (Mann mit Pudel), Pit Krüger (VW-Fahrer), Ute Koska, Günther Kieslich, Kaya Gürel, Suavi Eren, Meray Ülgen, Tayfun Bademsoy.
Produktion: Rialto Film Preben Philipsen, Zweites Deutsches Fernsehen. Produzent: Horst Wendlandt. Produktionsleitung: Konstantin T.-Thoeren.
Erstverleih: Tobis.
Uraufführung: 11. Dezember 1981.
Bei Otto Sander denken wohl die meisten zuallererst an seine Rolle in „Der Himmel über Berlin“ und seine Leistungen in der großen Zeit der Schaubühne. Für einen deutschen Schauspieler seines Formats ungewöhnlich, war er aber auch ein Erzkomödiant. Schon zweimal haben wir Beispiele dafür gezeigt: „Plastikfieber“ und „z.B. ... Otto Spalt“; beide Filme liefen auch bereits in der Reihe „Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals“.
Am 18. Mai 2026 bringen wir nun noch einmal einen Film, der ausdrücklich an einem 18. Mai spielt und einen von Otto Sanders schönsten Auftritten im komischen Fach bietet: Als Titelheld von „Der Mann im Pyjama“ verkörpert er einen Durchschnittsberliner, der spätabends bloß schnell Zigaretten holen gehen will. Für den kurzen Weg streift er nur den Bademantel über den Schlafanzug. Doch der Automat nimmt ein Markstück nicht an, und durch eine haarsträubende Verkettung von Zufällen, Verwechslungen und Mißverständnissen wird der Mann in ein turbulentes Abenteuer verwickelt, bei dem er eine ebenso schöne wie frustrierte Ehefrau kennenlernt, die ihn auf seiner Odyssee durch das nächtliche Berlin begleitet.
Mit Komödien tat sich das deutsche Kino schwer, seit die Nazis 1933 zahllose Talente aus dem deutschen Filmschaffen vertrieben hatten. Hinzu kam die traditionelle Geringschätzung des Heiteren durch Intellektuelle: Anspruchsvolle Kunst mußte ernst, traurig, betont schwergewichtig und gern langweilig daherkommen. Bis in die 1990er Jahre hinein waren daher in Deutschland Filmkomödien jenseits von plattem Klamauk Mangelware.
Zu den wenigen gelungenen Komödien aus dieser Zeit zählt „Der Mann im Pyjama“, wo nicht nur von der Fabel her auch genüßlich mit Filmklischees und -zitaten gespielt wird. Die Regisseure und Drehbuchautoren Christian Rateuke und Hartmann Schmige konnten für ihre erste abendfüllende Arbeit mit Horst Wendlandt einen der bedeutendsten Berliner Produzenten seiner Zeit gewinnen. Ihr Feuerwerk der Situationskomik, absurden Einfälle und auch des in Deutschland fast ausgestorbenen Slapstick drehten sie 1981 hauptsächlich im nächtlichen Charlottenburg.
Die weibliche Hauptrolle spielte Elke Sommer, in Berlin geboren und einer der erfolgreichsten deutschen Exporte gen Hollywood nach dem Zweiten Weltkrieg. Für ausgewählte Projekte kehrte sie aber immer wieder gern in ihre alte Heimat zurück.
Die zeitgenössische Kritik war eher ablehnend. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) verlieh dem Streifen dagegen das Prädikat „Besonders wertvoll“ und begründete dies unter anderem: „Die Einfälle reißen nicht ab und werden in erstaunlicher Variationsbreite so entwickelt, daß sie immer wieder Gelächter auslösen.“
Otto Sander erhielt den Ernst-Lubitsch-Preis für die beste komödiantische Leistung im deutschen Film des Jahres 1981.
Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.
Mehr zu dem Film hier und hier.
VORSCHAU: Am Montag, 15. Juni 2026 um 17.30 Uhr präsentieren wir nochmals die Adaption von Gerhart Hauptmanns berühmter „Diebskomödie“ Der Biberpelz, die Erich Engel 1949 nach einem Drehbuch von R. A. Stemmle mit Fita Benkhoff als Mutter Wolffen inszenierte. Mit dabei: Werner Hinz, Käthe Haack und (in ihrer ersten Filmrolle) Edith Hancke..
RÜCKBLICK: Wir präsentierten nochmals im
Oktober 2023: Endstation Liebe (der neue Flyer hier)
November 2023: Das siebente Jahr (der neue Flyer hier)
Dezember 2023: Plastikfieber (der neue Flyer hier)
Januar 2024: Ganovenehre (der neue Flyer hier)
Februar 2024: Ein Polterabend (der neue Flyer hier)
März 2024: Verwirrung der Liebe (der neue Flyer hier)
April 2024: Zwei unter Millionen (der neue Flyer hier)
Mai 2024: Tatort Berlin (der neue Flyer hier)
Juni 2024: Flucht nach Berlin (der neue Flyer hier)
Juli 2024: Zugverkehr unregelmäßig (der neue Flyer hier)
August 2024: Es (der neue Flyer hier)
September 2024: Make Love Not War – Die Liebesgeschichte unserer Zeit (der neue Flyer hier)
Oktober 2024: Wir lassen uns scheiden (der neue Flyer hier)
November 2024: Gejagt bis zum Morgen (der neue Flyer hier)
Dezember 2024: Tätowierung (der neue Flyer hier)
Januar 2025: Hochzeitsnacht im Regen (der neue Flyer hier)
Februar 2025: Rotation (der neue Flyer hier)
März 2025: z.B. ... Otto Spalt (der neue Flyer hier)
April 2025: Berliner Ballade (der neue Flyer hier)
Mai 2025: Lots Weib (der neue Flyer hier)
Juni 2025: Dämmerung – Ostberliner Bohème der fünfziger Jahre (der neue Flyer hier)
Juli 2025: Zwei in einer großen Stadt (der neue Flyer hier)
August 2025: Asphalt (der neue Flyer hier)
September 2025: Leichensache Zernik (der neue Flyer hier)
Oktober 2025: Engel aus Eisen (der neue Flyer hier)
November 2025: Wedding (der neue Flyer hier)
Dezember 2025: Die endlose Nacht (der neue Flyer hier)
Januar 2026: Quartett im Bett (der neue Flyer hier)
Februar 2026: Playgirl (der neue Flyer hier)
März 2026: Kennen Sie Urban? (der neue Flyer hier)
April 2026: Entlassen auf Bewährung (der neue Flyer hier)
Bilder: Rialto-Film.




