„Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals“
Seit Juni 2012 präsentierte Berlin-Film-Katalog allmonatlich im Weißenseer Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität, im September 2023 zum 120. Mal. Höchste Zeit, auch einmal andernorts zu zeigen, welch reiches Angebot unterschiedlichster Spiel- und Dokumentarfilme aus Ost und West, dem noch nicht geteilten und dem wiedervereinten Deutschland in dieser Reihe bisher schon zu sehen war.
Seit Oktober 2023 wird daher einmal im Monat eine Berlin-Film-Rarität, die vor längerer Zeit im Brotfabrikkino zu sehen war, noch einmal im Anfang Juli 2023 – nach umfassender Renovierung und Modernisierung – wiedereröffneten Cosima-Filmtheater in Friedenau/Wilmersdorf gezeigt. Fester Termin dafür ist der dritte (im November 2026 ausnahmsweise der vierte) Montag eines jeden Monats, 17.30 Uhr. Es gibt nur eine Aufführung, und diese jeweils mit einer Einführung.
Das Cosima-Filmtheater befindet sich in der Sieglindestraße 10, direkt am Varziner Platz und direkt am S- und U-Bahnhof Bundesplatz, in 12159 Berlin. Eintritt: 8-12 Euro.
Am Montag, 23. November 2026 um 17.30 Uhr läuft im Cosima-Filmtheater (mit einer Einführung):
Ware für Katalonien
DDR 1958/1959 – 99 Min. (2710 m) – 35 mm (1:1,37) – Schwarzweiß
Regie: Richard Groschopp. Buch: Lothar Creutz, Carl Andrießen, Richard Groschopp. Dramaturgie: Willi Brückner. Kamera: Eugen Klagemann. Musik: Hans-Hendrik Wehding. Bauten: Erich Zander. Bauausführung: Paul Lehmann. Kostüme: Helga Scherff. Masken: Horst Schulze, Liane Wilk. Requisite: Fritz Stemmer. Ton: Max Sandler. Schnitt: Helga Emmrich. Zweite Kamera: Karl Drömmer. Regieassistenz: Gerda Eggers-Ebert. Kameraassistenz: Herbert Wagner. Aufnahmeleitung: Heinz Ullrich, Wolfgang Bertram.
Darsteller: Eva-Maria Hagen (Marion Stöckel), Hanna Rimkus (Sabine Falk), Hartmut Reck (Unterleutnant Schellenberg), Heinz-Dieter Knaup (Leutnant Hasselbach), Fritz Diez (Hauptmann Germer), Ivan Malré (Bob Georgi), Wilfried Ortmann (Hasso Teschendorf), Loni Michelis (Johanna Stöckel), Albert Garbe (Bachmann), Gerhard Frei (Zement-Otto), Herwart Grosse (Hauptmann Polland), Carola Braunbock (Charlotte Gansauge), Norbert Christian (Sigi), Jean Brahn (Nappo), Gerd Biewer (Teniemte Petro Lopez), Herbert Grünbaum (Herr Rösli), Gerd M. Henneberg (Geschäftsführer), Walter Jupé (Ausweis-Erwin), Peter Kiwitt (Eskamillo Lehmann), Charlotte Krulle (Frau Neubert), Manfred Krug (Halbstarker), Marga Legal (Haushälterin), Walter Lendrich (Neubert), Heinz Scholz (Ferdinand Stöckel), Hans-Robert Wille (Bubi), Marianne Wünscher (Angestellte in Wechselstube), Gerlind Ahnert (Angestellte bei Polland), Rudolf Christoph (ABV), Werner Dissel (Portier im Hotel „Excelsior“), Werner Lierck (LKW-Fahrer), Hanna Rieger (Frau in Wielandstraße), Paul Streckfuß (Verkäufer), Peter Sturm (Mr. Dupont), Theresia Wider (Gerzi), Johannes Maus (Holzapfel), Hubert Hoelzke (Verkäufer), Erich Fritze (Verkehrspolizist), Rudolf Napp (Kriminalbeamter), Dom de Beern (Einsatzleiter), Wolf Lucas (LKW-Fahrer), Horst Buder (Kellnerlehrling), Paul Funk (Portier), Friedrich Teitge (Prokurist bei Rösli), Joachim Konrad (Streifenführer), Günter Margo (Spanischer Zollbeamter), Herbert Mewes-Conti (Hotelgast), Ralph J. Boettner (Angestellter in Wechselstube), Hans-Dieter Schlegel (Diensthabender der VP), Gerhard Lah (VP-Leutnant), Hildegard Röder (Angestellte des AZKW), Peter-Paul Goes (ABV), Waldemar Jacobi (Laubenpieper), Anneliese Reppel (Ältere Frau), Ellen-Jutta Poller (Serviererin), Renate Tschenett (Mannequin Daisy), Horst Torka (Angestellter des AZKW), Margot Ebert (Friseuse), Eva-Maria Klink (Angestellte bei Rösli).
Produktion: DEFA-Studio für Spielfilme. Produktionsleitung: Willi Teichmann.
Arbeitstitel: Der Fall Schützendorf.
Erstverleih: Progress.
Premiere: 6. März 1959, Leipzig, Capitol.
Berliner Erstaufführung: 13. März 1959, Colosseum.
Wird versucht, weltliche Heilslehren – womöglich sogar mit rabiaten Mitteln – in die Tat umzusetzen, stellt sich oft schnell ein Problem: Der versprochene paradiesische Zustand tritt nicht ein, und da die Ideologie ja nicht falsch sein kann, müssen andere Schuldige gesucht werden.
In der DDR der fünfziger Jahre, wo die Entwicklung der Wirtschaft und damit auch des Wohlstands rasch hinter der in Westdeutschland zurückblieb, zählten zu den liebsten Sündenböcken Schmuggler: Der Propaganda zufolge schleppten sie insbesondere so viele Erzeugnisse der optischen Industrie (aber auch Eier und Wurst) in den Westen, daß der Sozialismus nicht gesetzmäßig aufblühen konnte und es im SED-Staat immer noch viele Versorgungsmängel gab.
Bis zum Mauerbau gehörten Berlin-Filme, in denen die Teilung der Stadt thematisiert wurde, zum festen Produktionsprogramm der DEFA. Wie über die offene Sektorengrenze der Osten ausgeplündert würde, war dabei ein besonders beliebtes Thema – Propaganda, die bis heute verfängt, als ob die DDR den Personen- und Warenverkehr über die Demarkationslinie nicht schon vor dem Mauerbau kontrolliert hätte.
Ein Beispiel für solche Spielfilme entstand 1958/1959 mit „Ware für Katalonien“, wobei der Schmuggel noch einmal besonders verwerflich erscheint, da die Waren aus „volkseigener“ Produktion auch noch im damals faschistisch regierten Spanien landen sollten.
Tatsächlich folgte der Film einem authentischen Fall – was jedoch für den Regisseur und Co-Drehbuchautor Richard Groschopp ungeahnte Folgen zeitigte: In der Realität konnte der „Großschieber“ Hasso Schützendorf (im Film „Teschendorf“) nämlich nicht nur nicht dingfest gemacht werden. Er fühlte sich sogar geehrt, daß die DEFA sein „Schaffen“ auf diese Weise würdigte und verewigte. Schlimmer noch: Über Jahrzehnte hinweg, bis zu dessen Tod im Jahre 1996 (mit neunzig Jahren), versuchte Schützendorf immer wieder, mit Groschopp Kontakt aufzunehmen und lud diesen unter anderem nach Mallorca ein, wo er sich – nicht zuletzt dank seiner Schmugglertätigkeit – eine beachtliche Existenz als großer Autoverleiher aufgebaut hatte und gern als Playboy von sich reden machte. Ein persönliches Treffen kam aber auch nach dem Zusammenbruch der SED-Diktatur nicht zustande.
Und wie so häufig, verfehlte auch dieser gegen den Westen gerichtete DEFA-Film (dessen Stoff im selben Jahr 1959 auch als Buch erschien) selbst auf wichtige Darsteller seine Wirkung: Hartmut Reck, hier als wackerer Volkspolizei-Unterleutnant Schellenberg zu sehen, verließ die DDR noch 1959 und setzte seine Karriere in der Bundesrepublik erfolgreich fort. Der Kameramann Eugen Klagemann und der ebenso renommierte Szenenbildner Erich Zander hingegen waren bereits West-Berliner; da sie nicht in die DDR ziehen wollten, verzichtete die DEFA nach dem Mauerbau auf ihre Mitarbeit.
Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.
Mehr zu dem Film hier, hier und hier.
VORSCHAU: Am Montag, 21. Dezember 2026 um 17.30 Uhr präsentieren wir nochmals Die Kuckucks, eine Tragikomödie über jugendliche Hausbesetzer in der zerbombten Stadt, 1949 inszeniert von Hans Deppe nach einem Drehbuch von Marta Moyland und R. A. Stemmle.
RÜCKBLICK: Wir präsentierten nochmals im
Oktober 2023: Endstation Liebe (der neue Flyer hier)
November 2023: Das siebente Jahr (der neue Flyer hier)
Dezember 2023: Plastikfieber (der neue Flyer hier)
Januar 2024: Ganovenehre (der neue Flyer hier)
Februar 2024: Ein Polterabend (der neue Flyer hier)
März 2024: Verwirrung der Liebe (der neue Flyer hier)
April 2024: Zwei unter Millionen (der neue Flyer hier)
Mai 2024: Tatort Berlin (der neue Flyer hier)
Juni 2024: Flucht nach Berlin (der neue Flyer hier)
Juli 2024: Zugverkehr unregelmäßig (der neue Flyer hier)
August 2024: Es (der neue Flyer hier)
September 2024: Make Love Not War – Die Liebesgeschichte unserer Zeit (der neue Flyer hier)
Oktober 2024: Wir lassen uns scheiden (der neue Flyer hier)
November 2024: Gejagt bis zum Morgen (der neue Flyer hier)
Dezember 2024: Tätowierung (der neue Flyer hier)
Januar 2025: Hochzeitsnacht im Regen (der neue Flyer hier)
Februar 2025: Rotation (der neue Flyer hier)
März 2025: z.B. ... Otto Spalt (der neue Flyer hier)
April 2025: Berliner Ballade (der neue Flyer hier)
Mai 2025: Lots Weib (der neue Flyer hier)
Juni 2025: Dämmerung – Ostberliner Bohème der fünfziger Jahre (der neue Flyer hier)
Juli 2025: Zwei in einer großen Stadt (der neue Flyer hier)
August 2025: Asphalt (der neue Flyer hier)
September 2025: Leichensache Zernik (der neue Flyer hier)
Oktober 2025: Engel aus Eisen (der neue Flyer hier)
November 2025: Wedding (der neue Flyer hier)
Dezember 2025: Die endlose Nacht (der neue Flyer hier)
Januar 2026: Quartett im Bett (der neue Flyer hier)
Februar 2026: Playgirl (der neue Flyer hier)
März 2026: Kennen Sie Urban? (der neue Flyer hier)
April 2026: Entlassen auf Bewährung (der neue Flyer hier)
Mai 2026: Der Mann im Pyjama (der neue Flyer hier)
Juni 2026: Der Biberpelz (der neue Flyer hier)
Juli 2026: Gedächtnis – Ein Film für Curt Bois und Bernhard Minetti (der neue Flyer hier)
August 2026: Geschichten jener Nacht (der neue Flyer hier)
September 2026: Verliebt und vorbestraft (der neue Flyer hier)
Oktober 2026: Meier (der neue Flyer hier)
Bilder: DEFA-Stiftung/Waltraut Pathenheimer.
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