Berlin-Film-Katalog

(in Vorbereitung)

Rarität des Monats April 2024

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeden Monat eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Am Ostermontag, 1. April 2024 um 17.30 Uhr läuft (mit einer Einführung)



Die Spur führt nach Berlin

BRD 1952 – 89 Min. (2446 m) – 35 mm (1:1,33) – Schwarzweiß

Regie: Franz Cap (d.i. František Čáp). Drehbuch: Paul H. Rameau nach einer Story von Artur Brauner. Bild: Helmut Ashley. Kameraführung: Robert Hofer. Bau: Emil Hasler, Walter Kutz. Musik: Herbert Trantow. Es spielen: Die Berliner Philharmoniker. Ton: Werner Maas. Regieassistent: Alfons von Plessen. Schnitt: Johanna Meisel. Maske: Willi Nixdorf, Ilse Schulz-Heidrich. Kostüme: Sinaida Rudow. Aufnahmeleitung: Heinz Götze, Peter Krahe. Unter Mitwirkung der Berliner Schutzpolizei.

Darsteller: Irina Garden (d.i. Irina Pabst), Gordon Howard, Kurt Meisel, Hans Nielsen, Paul Bildt, Barbara Rütting, Heinz Engelmann, Ernst Konstantin, Heinz Giese, Wolfgang Neuss, Herbert Kiper, Rolf Heydel, Klaus Miedel, Josef Kamper, Walter Tarrach, Ruth Nimbach, Peter Lehmbrock, Heinz Oskar Wuttig, Harry Tenbrook, Willi Braunsdorf, Joe Furtner, Walter Bechmann, Werner Schöne, Rudi Stör, Eric Schildkraut.

Ein CCC-Film Artur Brauner. Produktionsleitung: Fritz Klotzsch.

Erstverleih: Prisma.

Uraufführung: 28. November 1952.

 

Es beginnt mit einem Mord auf dem Funkturm und einer Verfolgungsjagd durch ein Charlottenburg, in dem sieben Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zwar viele Ruinen abgeräumt sind, aber nun natürlich große Baulücken klaffen, sowie durch einen Tiergarten, der nach seiner nahezu vollständigen Vernichtung gerade neu angelegt worden ist, in Richtung auf das zerstörte Brandenburger Tor. Das Finale findet in der Ruine des Reichstags­gebäudes statt.

Mit „Die Spur führt nach Berlin“ wollte Artur Brauner 1952 einen spannenden Ost-West-Krimi schaffen (zu dem er auch selbst die Story lieferte). Die zeit­genössische Kritik meinte, der Produzent hätte dabei recht unverhohlen auf Carol Reeds damals bereits berühmten und vielgepriesenen Wien-Krimi „Der dritte Mann“ geschielt: Auch in „Die Spur führt nach Berlin“ ist es ein Amerika­ner, der in eine vom Krieg gezeichnete Viersektorenstadt kommt, hier allerdings ein Anwalt in einer Erbschaftsangelegenheit. Auch hier gibt es eine ebenso schöne wie undurchsichtige Einheimische, die ganze Geschichte dreht sich je­doch um Geldfälscher. Ein nächtlicher Termin am Humboldthafen, gleich neben der Ruine des Lehrter Bahnhofs, und die Unkenntnis darüber, daß am Ufer die Sektorengrenze verläuft, sorgen dafür, daß der Amerikaner in den Fängen der Sowjets landet.

Dort hat Barbara Rütting als Russin einen ihrer ersten Filmauftritte, derweil der ebenso junge Wolfgang Neuss in der Rolle eines Gangsters über­rascht. Barbara Rütting erhielt, auch für ihre Rolle in „Postlagernd: Turteltaube“, 1953 einen Bundesfilmpreis als beste Nachwuchsschauspielerin. Der damals achtzehnjährige Horst Buchholz ist in „Die Spur führt nach Berlin“ kurz als stummer Statist zu sehen. Im Gegensatz zu ihnen machten die beiden Hauptdarsteller Gordon Howard und Irina Garden keine großen Karrie­ren, letztere wurde allerdings – als verheiratete Irina Pabst – eine bekannte Organisatorin von Wohltätigkeitsveranstal­tungen; unter anderem initiierte sie die Aids-Gala in der Deutschen Oper Berlin.

Der Regisseur Franz Cap (1913-1972) hieß eigentlich František Čáp und war eine junge Hoffnung des Kinos in seiner tschechoslowakischen Heimat gewe­sen, bis er vor kommunistischer Repression fliehen mußte. Später arbeitete er auch in Jugo­slawien. Der Österreicher Helmuth Ashley entwickelte sich zu ei­nem renommierten Kameramann und wechselte schließlich zur Regie, vornehm­lich bei Krimis. Heute ist „Die Spur führt nach Berlin“ natürlich allein schon wegen seiner Bilder vom Berlin des Jahres 1952 interessant.


Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Viel mehr zu diesem Film hier.






Quellen der filmographischen Angaben: Filmlänge, Film- und Bildformat. Maske, Kostüme, Uraufführung: https://www.filmportal.de/film/die-spur-fuehrt-nach-berlin_7912c8cc32ee401181f5ce01ded9ac5e (besucht am 29.3.2024). Alle anderen Angaben: Originalvorspann.

Photos: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen.