Berlin-Film-Katalog

(in Vorbereitung)

Rarität des Monats April 2025

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeden Monat eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Am 7. April 2025 (Montag) um 17.30 Uhr läuft (mit einer Einführung):



Bis dass das Geld Euch scheidet ...

BRD 1960 – 100 Min. (2745 m) – 35 mm (1:1,66) – Schwarzweiß

Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Heinz Oskar Wuttig. Nach dem gleichnamigen Roman in der „Quick“ von Angela Ritter. Juristische Beratung: Dr. Paul Ronge. Kamera: Kurt Hasse, Karl Löb. Musik: Herbert Trantow. Ton: Eduard Kessel. Bau: Erich Kettelhut. Schnitt: Ira Oberberg.

Darsteller: Luise Ullrich, Gert Fröbe, Corny Collins, Wolfgang Lukschy, Christiane Nielsen, Leon Askin, Hans Hessling, Herbert Tiede, Peter Parak, Friedrich Schoenfelder, Hugo Schrader, Monika John, Marie-Luise Nagel. Edith Schollwer, Tilo von Berlepsch, Eike Siegel, Manfred Kunst.

Produktion: Alfa Spielfilmproduktion. Produktionsleitung: Herbert Sennewald. Gesamtleitung: Artur Brauner.

Atelieraufnahmen: CCC-Studios Berlin.

Erstverleih: Constantin.

Uraufführung: 27. September 1960, Stuttgart, Gloria-Palast.

 

Schon bald nachdem das Wirtschaftswunder den Westdeutschen und West-Berlinern nicht nur einen rasanten Wiederaufbau beschert hatte, sondern auch einen nie gekann­ten Wohlstand, der zudem immer weiter wuchs, setzte die Kritik an Folgen dieser Entwicklung ein: Ende der fünfziger Jahre, keine anderthalb Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, war es fast schon zum Gemeinplatz geworden, den in der Bundesrepublik angeblich vorherrschenden Materialismus zu beklagen, die verses­sene Orientierung der westdeutschen und West-Berliner Gesellschaft auf Wahrung und weitere Vermehrung ihres so überraschend errungenen Wohlstands.

In diese Kerbe schlug auch Angela Ritter in ihrem Roman „Bis dass das Geld Euch scheidet …“, der damals in der auflagenstarken Illustrierten „Quick“ erschien. Artur Brauner, zu jener Zeit West-Berlins wichtigster Produzent, machte aus dem Stoff fast umgehend einen Spielfilm: Ein Emporkömmling mit dem sprechenden Namen Jupp Grapsch (Gert Fröbe) findet, daß seine treue Gattin, die mit ihm durch die schweren Jahre des Kriegs und des Wiederaufbaus gegangen ist (Luise Ullrich), nicht mehr
zu seiner finan­ziell und gesell­schaft­lich errungenen Position als erfolgreicher Industrieller paßt, und will an ihrer Stelle seine junge, attraktive Geliebte (Christiane Nielsen) zu seiner Ehefrau machen. Da seinerzeit für Eheschei­dungen aber noch das Schuld­prinzip galt, fädelt er gegen seine Frau eine fiese Intrige ein, um sie vor Gericht des Ehebruchs bezichtigen zu können.

Das Buch zu dem hauptsächlich in Berlin gedrehten Film schrieb Heinz Oskar Wuttig, der für Brauner (neben anderem) kurz zuvor schon das Drehbuch zu dem Krimi „Am Tag, als der Regen kam“ verfaßt hatte (unserer Berlin-Film-Rarität des Monats März 2024), aber noch vor seiner großen Karriere als einer der erfolg­reichsten deutschen Fernsehserienautoren der sechziger und siebziger Jahren („Alle meine Tie­re“,
„Der Fo­rellenhof“, „Salto mortale“, „MS Franziska“, „Drei Damen vom Grill“) stand. Ähn­liches galt für den Regisseur Alfred Vohrer, der 1960 erst wenige Filme inszeniert hatte und später insbesondere durch Edgar-Wallace-, Karl-May- und Johannes-Mario-Simmel-Filme bekannt wurde, vielbeschäftigt, kommerziell erfolgreich, von Produzenten wie seinen Mitarbeitern geschätzt, von der Kritik aber eher verachtet.

Auch die zeitgenössische Beurteilung des zeitkritischen Ehedramas „Bis dass das Geld Euch scheidet …“ war zwiespältig. So konnte man in der West-Berliner Tageszeitung „Der Kurier“ (nicht identisch mit dem heutigen „Berliner Kurier“) am 12. Okto­ber 1960 lesen: „Für diesen Film spricht, dass er allen kolportagehaften Dramatisie­rungen um eine neureiche Familie, mit denen die ‚literarische Vorlage‘ aufwartete, aus dem Wege ging. Übrig bleibt hier, und das mit Recht, nur wirklich ein Problem: die Ehe, die der Mann, im Nachkriegs­deutschland plötzlich reich geworden, nach zwanzigjähriger Dauer wegen eines blon­den Etwas lösen will. (…) Die Typen sind durchaus richtig besetzt. Selbst Christiane Nielsen als das junge blonde Biest zeigt mehr als nur Dekolleté. Mit Geschick wurde alles auf Frau Ullrich und den breitesten Publikumsnerv abgestimmt – Frauen schluch­zen scharenweise im Parkett, be­sonders wenn Luise Ullrich ihre Großmutter-Stahlbrille aufsetzt. Mit solch dicklich-schwer­fälligen Gags und mit ebensolcher Moral ist der Film sehr häufig durchsetzt. Aber die beiden Hauptdarsteller haben, selbst wenn sie solche Nuancen ausspielen, von bemühter Kamera unterstützt, auch darin das Format, ihre große Publikums­gemeinde zufriedenzustellen.“

„Bis dass das Geld Euch scheidet …“ ist auch interessant, weil in dem Film Ausschnitte aus der berühmten, 1948 entstandenen Satire „Berliner Ballade“ als Rückblende ver­wen­det werden. Gert Fröbe war, als er darin die Hauptrolle des Otto Normalverbrau­chers spielte, noch nahezu unbekannt und spindeldürr. Im Laufe der fünfziger Jahre wurde er nicht nur zu einem der größten deutschen Filmstars
(der dann ja auch eine inter­nationale Karriere machen sollte), mit seinem stark gewachsenen Leibesumfang wirkte er auch wie eine Personifizierung des Wirtschaftswunders. Im Gegensatz zu ihm konnte seine Filmpartnerin Luise Ullrich 1960 bereits auf rund drei Jahrzehnte Star­status im deutschen Film zurück­blicken.

„Berliner Ballade“ präsentieren wir nochmals am Ostermontag, 21. April 2025 um 17.30 Uhr im Cosima-Filmtheater.

 

Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Mehr zu diesem Film hier und hier.



Für diesen Film spricht, dass er allen kolportagehaften Dramatisierungen um eine neureiche Familie, mit denen die „literarische Vorlage“ aufwartete, aus dem Wege ging. 

R. P., Der Kurier vom 12. Oktober 1960






Quellen der filmographischen Angaben: Länge, Format, Erstverleih, Uraufführung: https://www.filmportal.de/film/bis-dass-das-geld-euch-scheidet_13f0e6eb756e40768eadeba75f9e922e (zuletzt besucht am 18.3.2025). Alle anderen Angaben: Originalvorspann.

Photos: DFF.