Berlin-Film-Katalog (in Vorbereitung)

Rarität des Monats Oktober 2017

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeweils am zweiten Montag im Monat im Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Vom 9.-11. Oktober 2017 um 18 Uhr (am 9. in Anwesenheit von Uwe Frießner und Clara Burckner) läuft

 

Das Ende des Regenbogens

D 1979 – 107 Min. (1195 m) – 16 mm (1:1,33) – Farbe
Regie, Buch: Uwe Frießner. Regieassistenz: Wolfgang Kroke. Kamera: Frank Brühne. Kameraassistenz: Simon Kleebauer. Filmmusik: Alexander Kraut, Klaus Krüger, Michael Nuschke, Matthias Kaebs. Weitere Musik: Lene Lovich: „Home“, Red Baron: „Not these words“, „Lazy little girl“, Ariane: „Boogie me“. Schnitt: Stefanie Wilke. Schnittassistenz: Lydia Hornig, Margrit Braun. Ton: Karl-Heinz Laabs. Tonassistenz: Krista Zeißig. Mischung: Gerhard Jensen. Ausstattung: Edwin Wengoborski, Martin Mohr. Requisite: Thomas Schappert. Kostüm: Monika Altmann. Garderobe: Rosemarie Aberle-Lehmann. Oberbeleuchter: Uli Lotze. 2. Beleuchter: Jürgen H. Bäcker. Bühne: Triandafilos Zorakis. Standfoto: Michael Müller. Fahrer: Michael Wetterling. Aufnahmeleitung: Mario Krebs. Aufnahmleitungsassistenz: Gert Kopmann. Produktionsleitung: Gudrun Ruzicková. Produktionsassistenz: Sabine Jähnert.
Darsteller: Thomas Kufahl (Jimmi), Slavica Ranković (Gabi), Henry Lutze (Bernie), Udo Samel (Dieter), Heinz Hönig (Jörg), Sabine Baruth (Monika), Andrew Bergmann (Hansi), Michael Brenncke (Angestellter Meldestelle), Aksunger Dogan (Mehmet), Klaus Jaschkowski (Expedient), Johanna Karl-Lory (Gabis Oma), Michael Köppner (Kripobeamter), Adrian Kubitzki (Junge mit Fahrrad), Dieter Kude (Meister Kanter), Volker Kude (Achim, Jimmis Vater), Maic Kufahl (Mario, Jimmis Bruder), Gudula Lorez (Sekretärin), Manfred Müller (Firmenchef), Ronald Riedel (arbeitsloser Jugendlicher), Ursula Wachnowski (Oma in U-Bahn), Elisabeth Walinski (Helga, Jimmis Mutter), Andrea Zimmer (Sabine, Jimmis Schwester) u.v.a.
Eine Produktion der Basis-Film Verleih GmbH Berlin in Koproduktion mit dem WDR Köln. Redaktion: Wolf-Dietrich Brücker. Gesamtleitung: Clara Burckner.

Drehzeit: 12. Februar bis 18. April 1979.

Erstverleih: Basis-Film.

Uraufführung: 21. September 1979, Filmfest Hamburg.
Kinostart: 28. September 1979.

 

„Zukunft! Zukunft! Wenn ick an meene Zukunft denke, denn kriegick ’n Horror!“ – Der Teenager Jürgen, genannt Jimmi, kommt aus einem desolaten Elternhaus in einer Trabantenstadt, ist früh straffällig geworden und in Heimen gewesen. Nun treibt er sich in Berlin herum, verdingt sich als Stricher am Bahnhof Zoo, schnorrt sich durch, klaut. Als er zufällig eine alte Bekannte trifft, kommt er in einer WG (natürlich irgendwie linker) Studenten unter, deren Verständnis er mit seiner in mehrfacher Hinsicht besitzergreifenden Art rasch stark strapaziert und die ihm dennoch weiter helfen wollen, sein Leben in den Griff zu bekommen – etwas, woran Jimmi allerdings nur bedingt interessiert ist. Auch bei dem Aushilfsjob, den er schließlich ergattert, zeigt sich seine mangelnde Fähigkeit zu durchdachtem Verhalten, seine fehlende Geduld und überaus niedrige Frustrationsschwelle. Den Nutzen der aufgeschobenen Bedürfnisbefriedigung hat er nie gelernt, Jimmi demonstriert, wie ein Dasein nach dem schönen Rat „Sorge dich nicht, lebe!“ auch aussehen kann. Zudem ist er von der ungewohnten Arbeit schnell erschöpft und hat viel mehr Lust, weiter in den Tag hinein zu leben sowie auf Kosten seiner gleichaltrigen Freundin Gabi, die ähnlich schlecht dran und darüber hinaus drogensüchtig ist.

In seinem ersten Spielfilm erzählt Uwe Frießner das Geschehen ganz aus der Perspektive seines Protagonisten, eines liebenswerten Nichtsnutzes, mit dem man ebenso leidet wie an ihm. Frießner schuf damit 1979 den formal wie inhaltlich wohl besten Vertreter des in der Bundesrepublik jener Jahre beliebten Subgenres Jugendproblemfilm, das bevorzugt um Jugendarbeitslosigkeit, Drogensucht und unzulängliche staatliche Reaktionen auf derlei Miseren kreiste. Das sah auch die Jury des Bundesfilmpreises so und zeichnete die Produktion mit dem Filmband in Silber aus sowie den jungen Hauptdarsteller Thomas Kufahl, einen Laien, der auf Erfahrungen aus seinem eigenen Leben zurückgreifen konnte, mit einem Filmband in Gold. Der Streifen erhielt ferner den Preis der deutschen Filmkritik und wurde von der Jury der evangelischen Filmarbeit zum Film des Monats Dezember 1979 gekürt. „Das Ende des Regenbogens“ erregte seinerzeit viel Aufmerksamkeit – auch wegen der (dann revidierten) Entscheidung der FSK, den Film wegen einer (alles andere als spekulative, geschweige denn pornographischen Sexszene widersinnigerweise erst ab 18 freizugeben sowie des von konservativen Kreisen befehdeten Umstands, daß er im Ausland als Beispiel für das aktuelle bundesrepublikanische Filmschaffen vorgeführt wurde. Wir präsentieren den Film, der das inzwischen nostalgieselig verklärte West-Berlin zeigt, wie es Ende der siebziger Jahre (auch und gerade für junge Leute) wirklich war, zum 75. Geburtstag, den der gebürtige Berliner Uwe Frießner am 13. Oktober 2017 begehen kann.

Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Mehr zu dem Film hier und hier.

 

 

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J.G.

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Quellen der filmographischen Angaben: Drehzeit, Kinostart: http://www.filmportal.de/film/das-ende-des-regenbogens_924cc23b41df4c5ebfe708ce3f8953ce (besucht am 19.9.2017). Filmlänge in Metern, Film- und Bildformat: http://sozialgeschichte.deutsches-filminstitut.de/mov/f026.htm (besucht am 19.9.2017). Alle anderen Angaben: Pressemappe des Basis-Film-Verleihs. .

Bilder: Basis-Film.